Die nächste Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und nachhaltige Entwicklung wird dieses Jahr vom 20.-22. Juni in Rio, Brasilien, stattfinden. Die Konferenz findet genau 20 Jahre nach der ersten Konferenz von 1992 statt, die auch in Rio abgehalten wurde und deswegen heißt sie natürlich Rio +20. Die Konferenz steht auch in der Tradition der UN-Klimakonferenzen von Kyoto bis Kopenhagen.
Auf der einer Seite zu Rio +20 (hier) wurden aus Ideen von über 10.000 Teilnehmern 100 Empfehlungen zur nachhaltigen Entwicklung ausgearbeitet. Und von diesen 100 können nochmal 30 per Wahl auf der Seite ausgewählt werden, die dann direkt auf der Konferenz beraten werden.
Die Seite ist natürlich nur in den offiziellen Sprachen der Vereinten Nationen verfügbar, nicht in Deutsch. Da das hier aber ein Blog in deutscher Sprache sein soll, habe ich die 100 Empfehlungen übersetzt. Es ist einiges an Text herausgekommen, aber es lohnt sich um einen sich einen guten Überblick über die Debatte in der nachhaltige Entwicklung zu erhalten. (Die Farben orientieren sich an der originalen Seite zur leichteren Orientierung):
1. Nachhaltige Entwicklung für Armutsbekämpfung
- Verringern von Armut, indem man biokulturelle Vielfalt, Sprachenrechte und interkulturellen Dialog durch die Einführung einer neutralen internationalen Sprache fördert.
- Fördern von gesellschaftlichen Bewegungen und Initiativen, um Armut zu bekämpfen und eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen.
- Eine wirtschaftliche Eigenverantwortung erreichen, um Selbstbestimmtheit zu fördern.
- Fördern von globaler Bildung um Armut zu beseitigen und nachhaltige Entwicklung zu erreichen.
- Förderung des Gebrauch und des Transfers von neuster Technologie als Mittel um nachhaltige Entwicklung zu erreichen.
- Verstärken der Süd-Süd Kooperation (Entwicklungsländer) in der Ausbreitung und Entwicklung von sauberen Technologien.
- Integrierung von sozialer Gleichheit im Aufbau und in der Bereitstellung von öffentlichen Gesundheitsdienstleistungen und –systemen.
- Förderung von Rechten der Geschlechter und der sexuellen Orientierung als Instrument um nachhaltige Entwicklung zu erreichen.
- Gewährleistung einer universellen Gesundheitsversorgung um nachhaltige Entwicklung zu erreichen.
- Verstärken des Prinzips der Nicht-Regression (non-regression) in Umwelt und Sozialpolitik. Nicht Regression heißt, dass man in neuen internationalen Verhandlungen nicht noch hinter die existierenden Regeln zurückfallen soll.
2. Wälder
- Regierungen sollten Agroforstwirtschaft als vielversprechende Alternative fördern um den Bedarf an Lebensmitteln und Feuerholz auszugleichen und den Druck auf Urwälder zu verringern.
- Schützen von sprachlicher Vielfalt um traditionelles Wissen zu erhalten und Biodiversität zu erhalten.
- Berechnen der CO2 Speicherkapazität von Waldplantagen im Kontext der grünen Wirtschaft.
- Investition in lokal kontrollierte Wälder: fördern von Ressourcenrechten, Organisations- und Wirtschaftskapazitäten und faire Verträge mit Akteuren vor Ort.
- Organisieren einer Kommission in den Vereinten Nationen um die die nötigen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Gelder zu mobilisieren und um globale REDD+ Aktionen umzusetzen.
- Wiederherstellen von Waldland und Mangrovenzonen.
- Einbringen von Prinzipien der Inklusion, der Transparenz und der Verantwortung von lokalen Akteuren in die Verwaltung von Wäldern.
- Fördern von Wissenschaft, Technologie, Innovation und traditionellem Wissen um die größte Gefahr für Wälder zu bekämpfen: Wie kann man Wälder produktiv nutzen, ohne sie zu zerstören.
- Unterstützen von allgemeinen Rahmenbedingungen für die Waldzertifizierung und deren Aufnahme in die Agenda von Rio 20+.
- Die Wiederherstellung von 150 Millionen Hektar entwaldeten und degradierten Bodens bis 2020.
3. Wasser
- Einführung des Rechts auf Wasser.
- Wasser soll der Mittelpunkt zukünftiger Entwicklungsziele sein.
- Herausstellen der Bedeutsamkeit von Planung und Managements von integrierter Wasser-, Energie- und Bodennutzung.
- Stärken von solidarischen Finanzierungsmechanismen.
- Aufbauen einer gemeinsamen Vision und die Annahme eines Aktionsplans für Abwassermanagement auf globaler Ebene.
- Verbesserung von Wasser- und Sanitäranlagen, um die Bildung für Kinder zu sichern.
- Ausbau und Verstärkung von globalen Mechanismen zur Kontrolle von Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene.
- Fördern von nachhaltigem Wasserverbrauch und Gesundheit. Menschen brauchen den Zugang zu nachhaltigem Wasser und Hygiene um das nachhaltige Wachstum einer Nation zu sichern.
- Einführung von ambitionierten und globalen Strategien um zu garantieren dass Wasser sicher und gesund ist.
- Sicherung des Wasserangebots durch den Schutz von Biodiversität, Ökosystemen und Wasserquellen.
4. Ozeane
- Beobachtung und Förderung von international koordinierter Forschung zu der Versäuerung der Ozeane und deren Effekt auf maritimes Leben und Ökosysteme.
- Vermeidung von Verschmutzung der Ozeane mit Plastik durch Bildungsarbeit und durch die Zusammenarbeit in lokalen Gemeinschaften.
- Schutz der Ozeane durch die Annahme einer Charta über universelle Pflichten auf der Ebene der Vereinten Nationen.
- Einführung eines globalen Abkommens zum Schutz der Biodiversität auf hoher See.
- Gestaltung globaler Steuerungsmechanismen um die Biodiversität zu erhalten und die Einführung von allgemeinen Ressourcen in einem Szenario von wachsender Nationalisierung in maritimen Themen.
- Entwicklung eines globalen Netzwerks von internationalen maritimen Schutzzonen.
- Betroffene Akteure sollten sich, wenn immer möglich, über Prozeduren des Fischereimanagements einigen und sich im Voraus über geeignete Mittel verständigen, die realistische Szenarien der zukünftigen ökologischen Bedingungen und Fischbestände für die nächsten Jahre berücksichtigen.
- Fischereimanagement sollte sich auf das Ökosystem stützen und die Bedürfnisse von allen Komponenten des Ökosystems berücksichtigen, auch von den Raubfischen.
- Förderung der Schaffung von maritimen Schutzzonen, entworfen und co-organisiert von der lokalen Fischerei, als angemessenes Instrument um maritime Steuerung und nachhaltige Fischressourcen weltweit zu erhalten.
- Erweiterung und Implementierung von internationalen und institutionalisierten Abkommen zum Schutz der maritimen Umwelt vor Aktivitäten auf dem Festland.
5. Nachhaltige Städte und Innovation
- Förderung von Möglichkeiten zum direkten Dialog zwischen Regierung, Bürgern, Unternehmen, Nicht-Regierungsorganisationen und Schulen.
- Förderung von Kultur, Vielfalt und Kreativität als Kernelement für den Aufbau nachhaltiger Städte.
- Planung im Voraus für Nachhaltigkeit und Lebensqualität in Städten.
- Lokale Regierungen sollten energieeffiziente Serviceleistungen anbieten und nachhaltigen Konsum fördern.
- Das Design von urbanem Raum sollte die lokale Selbstbestimmung von lokalen Gemeinden berücksichtigen.
- Förderung von Abfallnutzung als erneuerbare Energien in urbanen Umgebungen.
- Städte und Schulen sollten Netzwerke aufbauen um zusammen in nachhaltiger Entwicklung zu lernen und zu arbeiten.
- Förderung der Rolle von nachhaltigen Städten als offenes Labor für Innovation in nachhaltiger Entwicklung.
- Förderung von globalen Standards für Nachhaltigkeit in Städten.
- Förderung von aktivem Engagement von lokalen Gemeinden um die physischen und sozialen Gegebenheiten in Städten zu verbessern.
6. Lebensmittel- und Ernährungssicherung
- Aufbau von Programmen die Herausforderungen der Ernährungssicherung in Verbindung mit dem Klimawandel vorausahnen und verhindern können.
- Förderung von integrierter Planung und systemübergreifendem Zusammenfügen der globalen Agenda für Ernährungssicherheit, basierend auf einer besseren Koordination von Ernährung, Energie, Wasser und Umwelt.
- Ernährungssicherheit sollte in Regierungsprogrammen zum Schutz der Umwelt integriert werden.
- Entwicklung von Strategien um nachhaltige Lebensmittelproduktion für Konsumenten und Produzenten zu unterstützen.
- Planung im Voraus für demographische Veränderungen.
- Beschränkung von Tabakanbau.
- Förderung von Kollaboration zwischen Regierung und Privatem Sektor um eine fairere und nachhaltigere Konsumentenwahl zu fördern.
- Förderung von Ernährungssystemen, die nachhaltig sind und der Verbesserung der Gesundheit dienen.
- Eliminierung von Unterernährung erzeugt durch Armut und Elend.
- Förderung eines Engagements des Privaten Sektors in der politischen Willensbildung über nachhaltige Lebensmittelsysteme.
7. Die Ökonomie der nachhaltigen Entwicklung mit nachhaltigen Modellen für Produktion und Konsum
- Abhalten einer internationalen Konferenz über Global Governance 2013.
- Förderung eines ganzheitlichen Vorgehens bei nachhaltiger Entwicklung, mit Berücksichtigung auf umwelttechnische, ökonomische, politische und soziale Aspekte.
- Einführung eines Standards für den Ausstoß von Treibhausgasen und die Nutzung von erneuerbaren Energien um lokale Ökonomien zu stimulieren und zu festigen.
- Ausstattung von natürlichen Ressourcen mit einem „Preisschild“, damit diese nicht mehr ökonomisch unsichtbar sind.
- Förderung von nachhaltigen globalen öffentlichen Ausschreibungen als Anfang für nachhaltige Modelle.
- Förderung von Prinzipien für eine grüne und FAIRE Ökonomie.
- Benutzung von gesundheitstechnischen Indizes um Wachstum mit nachhaltiger Entwicklung zu messen.
- Absetzung von schädlichen Subventionen und die Einführung von grünen Steuern.
- Einsetzen einer Kommission der Vereinten Nationen um Leistungsindikatoren von nationalem Kapital zu entwickeln, das in das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eingerechnet werden könnte.
- Berücksichtigung von Umweltschäden und dem Maß an sozialer Entwicklung im Bruttoinlandsprodukt (BIP).
8. Arbeitslosigkeit, Menschenwürdige Arbeit und Migration
- Das Setzen von nationalen Zielen für grüne Jobs nach Einschätzung gegenwärtiger und zukünftiger Werte, der Genderdimensionen, der Arbeitsbedingungen und anderer Aspekte der Agenda für menschenwürdige Arbeit.
- Ausbau der Prinzipien der weiblichen Emanzipation als ein Weg um nachhaltige Entwicklung zu fördern.
- Erstellung einer Strategie für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der grünen Wirtschaft und für eine Investition in Job-Trainings und Trainings zu Job-Wiedereingliederung.
- Einbindung der Pflege einer alternden Bevölkerung in die internationalen Rahmenverträge zur nachhaltigen Entwicklung.
- Bringe nationale Regierungen dazu die Menschenrechte von Migranten mit Programmen für temporäre Arbeitsmigranten zu respektieren.
- Setzen von Bildung als Kern der Agenda für Nachhaltige Entwicklungsziele.
- Schaffung eines Mechanismus in den Vereinten Nationen, ähnlich zu der Funktion der Welthandelsorganisation, um die Verminderung von Barrieren für Migration zu verhandeln und um Umweltmigranten gleichmäßig auf die Länder verteilen zu können, die sie aufnehmen wollen.
- Verbesserung des Humankapitals, indem man den Zugang zu einer Gesundheitsversorgung, inklusive der Versorgung bei der Fortpflanzung, Investitionen in Bildung und die Selbstbestimmung der Frau fördert.
- Regierungen sollten Ziele für sozialen Schutz und Gute Arbeit für alle bis 2030 festlegen, inklusive Gesundheits- und Mutterschaftsvorsorge, Arbeitslosen- und Schwerkrankenhilfe, sowie Schutz für Kinder und Behinderte.
- Versicherung, dass alle Jobs und Arbeitsplätze ein Minimum an Sicherheit und Gesundheitsstandards haben.
9. Nachhaltige Entwicklung als Antwort auf die Wirtschafts- und Finanzkrise
- Förderung von Zahlungsmechanismen für Ökosystemdienstleistungen (welchen Wert hat z.B. ein Hektar Urwald?)
- Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die einem Grünen Fonds zugute kommen sollte, der menschenwürdige Arbeitsplätze und saubere Technologien fördert.
- Förderung von Ungleichheitsreduzierung als großes Ziel in der Agenda von internationalen Organisationen.
- Förderung einer Steuerreform, die zu Umweltschutz anregt und den Armen zu Gute kommt.
- Die Förderung einer grünen Wirtschaft muss eine strategische Wirtschaftspolitik beinhalten um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten.
- Unterstützung von Unternehmen, die nachhaltige Standards einführen, wie die Global Compact Prinzipien der Vereinten Nationen.
- Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll nicht mehr als Messwert für sozialen Fortschritt dienen.
- Förderung von Kollaborationen zwischen verschiedenen Sektoren und auf der lokalen Ebene um die Finanzkrise zu lösen.
- Bildungsarbeit mit zukünftigen gesellschaftlichen Führern über nachhaltige Entwicklung (PRME Initiative)
- Neue Institutionen sollten gebildet werden um globale öffentliche Güter zu verwalten und um ein Wirtschaftsmodell zu entwickeln, das auf globalen öffentlichen Gütern aufgebaut ist.
10. Erneuerbare Energie für alle
- Erstellen von ambitionierten Ziele um unsere Gesellschaft in Richtung erneuerbarer Energien zu bewegen
- Konkrete Schritte müssen unternommen werden um fossile Treibstoffsubventionen abzuschaffen.
- Durchsetzung von Bestimmungen, die energiesparende Komponenten auf alle neuzugelassenen Autos vorschreiben.
- Schaffung von Anreizen um von zu Hause zu arbeiten.
- Förderung der Fahrradnutzung.
- Förderung der Nutzung von erneuerbaren Energien und Energiezugang als Teil einer öffentlichen Gesundheitspolitik.
- Die Bereitstellung von ambitionierten Steuererleichterungen beim Kauf von energieeffizienten Produkten.
- Anreize schaffen für den Bau von energieeffizienten Gebäuden und die Modernisierung von bestehenden Gebäuden.
- Bildung über Energieeffizienz.
- Verpflichtende „Umweltzeichen“ auf Produkten um über die Energieeffizienz des Produkts aufzuklären.
Vielen Dank fürs Lesen. Frederik